Reden mit einem Unsichtbaren.
26.10.2011 | Kategorien: keine zugeordnet
Die größte Schwierigkeit, die sich beim Beten eigentlich fast allen meinen (nichtgläubigen) Freunden stellt, ist die Frage:
Wie kann ich mit jemandem reden, den ich nicht sehen kann?
Vor einigen Jahren habe ich mit einem Experiment begonnen: Ich habe mir angefangen, bewusst so zu leben, als wäre Jesus wirklich immer an meiner Seite. In der U-Bahn, bei mir zu Hause, in der Uni, während einer Autofahrt. Und dann habe ich angefangen, Platz zu lassen: Auf dem Beifahrersitz, auf meinem Sofa, im Vorlesungssaal.
Ich habe meine Handtasche auf den Boden gestellt und mir vorgestellt, Jesus säße neben mir und würde mir zusehen. Vor allem aber würde er mit mir reden. Besonders im Auto.
Diese Zwiegespräche sind zu einer der wichtigsten Momente geworden. Ich bin damals nicht mehr einsam gewesen, wenn ich nach einer großen Veranstaltung alleine nach Hause gefahren bin. Ich habe mich angefangen, mich zu freuen, in mein Auto zu steigen und in der Dunkelheit mit Jesus den Tag zu reflektieren.

In dieser Zeit habe ich Jesus, habe ich Gott ganz bewusst erlebt, ganz real, als jemanden, den ich zwar nicht sehen kann, aber der wirklich da ist.
Wir reden oft davon, dass Jesus da ist, aber wirklich bewusst sind wir uns dessen nicht.
Erst gestern war ich bei einem Freund zum brunchen eingeladen. Er hatte für einen Freund einen Platz mehr gedeckt, der jedoch erst später nachkam. Irgendwann fragte dann ein anderer Freund, warum
er diesen Platz noch gedeckt habe, ob er für Jesus sei. :)
Wenn wir so leben, in diesem Bewusstsein, dass Gott wirklich ganz real da ist, dass wir ihn nur nicht sehen können, ich glaube dann wird es etwas ganz natürliches mit ihm zu reden, zu ihm zu beten. Dann ist es auch nicht schwer, Paulus Aufforderung umzusetzen: Betet ohne Unterlass.
geschrieben von katrinweigert um 22:04 Uhr | Stichworte: gebet, vertrauen | 0 Kommentare
On Suffering. And encountering God.
20.10.2011 | Kategorien: keine zugeordnet
Ein Freund von mir ist gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere und frisch verliebt. Eine Freundin von mir verliert gerade ein Familienmitglied an Krebs, wird von ihrem Freund verlassen und muss sich von ihrem Heimathaus trennen.
Wie gut geht es doch meinem Freund - wie schlecht meiner Freundin, denke ich. Wie sehr scheint Gott ihn zu lieben und ja - was ist mit seiner Liebe zu ihr? Ist ihre äußere Situation ein Zeichen dafür, dass Gott sie nicht liebt? ...
Unmöglich, denn der Gott, der Liebe ist, kann uns nicht gleichzeitig dieses unfassbare Leid zufügen. Und dennoch fragen wir uns: Wie kann Gott das zulassen? ...
Beim Zähneputzen wird mir auf einmal bewusst: Gott zeigt immer seine Liebe, in guten wie in schlechten Zeiten, auch hierin ist er ganz unser Bräutigam. In guten Zeiten zeigt sich Gottes Liebe in Wohlwollen, in Segen, in Zuwendung. Und in schlechten Zeiten? Zeigt sie sich besonders in den Kämpfen, die wir mit Gott führen dürfen, in seinem Mit-uns-Ausharren, Fragen-und-Vorwürfe-ertragend, in seiner Nähe, besonders aber an seinem Mitleiden. Nie können wir Christus so nahe kommen, wie im Leid. Mutter Theresa hat diese Haltung als Grundhaltung ihres Lebens und Wirkens gewählt. Im Kontakt mit den Leidenden begegnet sie dem leidenden Christi. Im einfachen, harten Leben kommt sie dem ihres Heilandes am nächsten. Dies erinnert an Jesu Worte:
Was ihr einem meiner niedrigsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
In diesem Sinne lassen sich auch die Worte aus der Bergpredigt Christi deuten: Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Jesus verändert auch hier unsere Perspektive. Es geht nicht mehr um äußere erkennbare Merkmale der Liebe Gottes zu uns, sondern vielmehr um dir Frage:
Wie nah ist Jesus mir?
Und seltsamer-überraschenderweise scheint Gott dafür gerade unsere Wüstenzeiten zu verwenden. Dann wenn es nichts mehr gibt, außer ihm, auf das wir uns verlassen können. Gerade dann können wir Gott von Angesicht zu Angesicht begegnen.
geschrieben von katrinweigert um 21:54 Uhr | Stichworte: keine zugeordnet | 0 Kommentare
On freedom. And love.
17.10.2011 | Kategorien: keine zugeordnet
Die größte Liebe ist nur dann allein möglich, wenn sie aus freiem Willen entstehen kann.
Nehmen wir Kate und Jack. Ihre Familie zwingt sie, einen reichen Schnösel zu heiraten - sie entscheidet sich aus freiem Willen für einen lausigen 3. Klasse-Passagier.
Oder Romeo und Julia, die trotz aller Zwänge und Vorschriften sich aus freien Stücken für den anderen entscheiden.
Und dann ist da Jesus. Der Mensch gewordene Gott, der Sohn des Vaters, die sichtbare Teil der Dreeinigkeit. Auch er wird sich aus freiem Willen für seine große Liebe entscheiden: Die Menschen.
Bis kurz vor seinem Teil hat auch er die Wahl, kann sich frei entscheiden: für sein eigenes Leben oder den Tod zur Überwindung der Sünde. Aber weil seine Liebe zu den anderen größer ist als seine Liebe zu sich selbst, wird er sterben. Und begibt sich damit wieder ganz unter den Willen Gottes.
In der Annahme dieses Geschenkes aus unserem freien Willen heraus gehen wir emotional einen ähnlichen Weg: Wir können nur aus einer unabhängigen, freien und mündigen Entscheidung heraus Christen werden. Niemand kann uns dazu zwingen, niemand uns von Geburt an in die Nachfolge Christi taufen. Gott hat von Anfang an keine Roboter gewollt, die ihm aus Zwang folgen. Genau aus diesem Grund hat Gott dem Menschen den freien Willen gegeben, sich auch gegen ihn zu entscheiden.
Aus dieser Freiheit, sich auch gegen Gott entscheiden zu können, resultiert gleichzeitig die Entscheidungsfreiheit, seinen eigenen Willen, genau wie Jesus, dem Willen Gottes zu unterstellen.
Genau diese Liebe ist nur dann möglich, wenn sie aus einem freien Willen heraus entstehen kann. Und dies wiederum birgt für den Menschen ein ganz anderes Geschenk: Wahre Freiheit.
Denn Jesus hat versprochen: Wen der Sohn freimacht, der ist wirklich frei. (Johannes 8,30f.)
geschrieben von katrinweigert um 22:47 Uhr | Stichworte: freiheit, liebe, jesus | 0 Kommentare
That was my crisis.
09.10.2011 | Kategorien: keine zugeordnet
Ich habe viel recherchiert, Wikipedia gelesen und Psychologie-Bücher studiert, mich mit Victor Frankl und Verena Kast beschäftigt - aber was Krise wirklich bedeutet, das erfährt man eigentlich erst, wenn man selbst eine erlebt.
Als ich 24 war, ist meine Welt zusammengebrochen. Innerhalb kürzerster Zeit habe ich einige der wichtigsten Menschen in meinem Leben verloren:
Meinen Vater.
Meine Großmutter.
Meinen Freund.
Ich weiß noch, dass ich damals mitten im Semster war, kurz vor den Prüfungen, und eigentlich jede freie Minute mit Lernen verbringen musste. Und das habe ich seltsamerweise auch getan.
Die Bibliothek ist mir damals ein Zufluchtsort geworden, meine Bücher die Möglichkeit, in eine andere Welt zu entfliehen. Wahrscheinlich hat mir das damals geholfen, irgendwie zu begreifen, dass das Leben weitergeht, dass mein Leben weitergeht, auch wenn es ein ganz anderes von da an sein würde.
Die nächsten Monate, vielleicht sogar die nächsten ein, zwei Jahre haben sich immer gleich angefühlt: Ich habe nichts gefühlt.
Ich erinnere mich, dass ich damals oft auf meinem Fenstersims gesessen habe und in die dunkle Nacht hinausgeschaut habe und mich gefragt habe, wann es aufhört, diese Taubheit, diese unendliche Traurigkeit, diese Finsternis.
Und dann habe ich angefangen, Gott diese Fragen zu stellen:
Warum er das zulässt.
Ob er mich hören kann.
Wann es aufhört.
Ich habe viel geredet, viel gehadert, aber auch viel geschwiegen. Und zugehört.
Es hat lange gedauert, aber in diese Stille, in diese Dunkelheit, hat Gott angefangen bei mir zu sein. Mir Geborgenheit zu schenken, mir Ruhe zu geben. Neben mir zu sitzen. Mitzuleiden.
Ich habe angefangen, mich nach dieser Zeit zu sehnen, nach der Zweisamkeit mit Gott, in der ich wusste, dass er wie kein anderer Mensch verstehen kann, was in mir vorgeht. Der wie kein anderer Mensch mich zur Ruhe bringen kann, allein durch seine Nähe.
Meine Fragen haben sich langsam verändert.
Ich habe nicht mehr so oft gefragt wieso er das zugelassen hat.
Sondern zu welchem Zweck.
Ich wusste, dass er mich hören kann.
Und es war nicht mehr so wichtig, wann es aufhören würde, solange er bei mir war.
Es hat aufgehört. Der Schmerz hat irgendwann nachgelassen, die Erinnerungen sind verblasst, neue, schöne Erlebnisse sind an ihre Stelle getreten.
Aber das, was damals passiert ist, in diesen dunklen Nächten, das ist etwas, das nicht verblasst ist. Denn in dieser Zeit habe ich Gott erlebt, wie nie zuvor.
Ich weiß heute, dass Gott in dieser Zeit so sehr an meiner Seite war, wie wir es vielleicht nur in Krisen erleben können, weil wir uns nie so sehr nach ihm sehen, wie in Zeiten, die wir ohne ihn kaum überstehen können.
Hiob beschreibt in dem nach ihm benannten biblischen Buch seine persönliche Krisenzeit im Nachhinein als die Zeit, in der er Gott von Angesicht zu Angesicht erlebt hat. Während er ihn vorher nur vom Hörensagen kannte, hatte er nun eine echte Beziehung mit ihm aufgebaut.
Gott schenkt uns keine Krisen. Denn er ist Liebe. Aber Gott kann und will uns genau diese Liebe ganz besonders in Krisenzeiten zukommen lassen. So können auch diese Zeiten uns zum Segen werden.
geschrieben von katrinweigert um 22:10 Uhr | Stichworte: keine zugeordnet | 1 Kommentar
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